Die Eis-Oma kennen alle, weit über Grünwinkel hinaus
Claus-Jürgen Kuhn holte weit in die Vergangenheit aus, als er unserem Grünwinkler Geschichtskreis am 28. Oktober 2024 die Historie der Eis-Oma erzählte. Seine Großeltern hatten 1939 mit der Eisproduktion und dem Verkauf von Speiseeis begonnen. Großvater Fritz Fleig sei ein „Süßer“, ein Liebhaber von Süßspeisen gewesen. In Rohrbach bei Sinsheim im Kraichgau betrieb er nach dem Ersten Weltkrieg ein Kiosk neben dem örtlichen Kino. Die Militärzeit führte ihn 1930 nach Karlsruhe. In der Heidenstückersiedlung erwarb die Familie ein Haus. Seine Frau sei schon immer sehr geschäftig gewesen. Als der Opa im Krieg war, eröffnete die Oma einen Krämerladen und einen Waschsalon. Für die Eisproduktion wurden von der Firma Sinner produziertes Trockeneis oder Solebäder verwendet. Elektrische Kühlmaschinen waren noch nicht weit verbreitet. Milchpulver in heißes Wasser aufgelöst, dazu Aromen, so sah damals die Eisherstellung aus. Die Kugel wurde für 10 Pfennig verkauft.
Erst ab 1960 wurden Kompressoren in Eisherstellungsanlagen eingebaut, die Produktion wurde effektiver und komfortabler. Die Mutter von Claus-Jürgen Kuhn verkaufte das Eis am Westbahnhof aus einem „Schieber“, einem einachsigen schiebbaren Wagen,. Sechs Sorten hatte sie im Angebot: Vanille, Erdbeer, Zitrone, Schokolade, Banane und Nuss. 1958 wurde ein Anbau an das Haus erstellt und ein EDEKA-Laden eröffnet. In den 1970er Jahren wurde dann der Name Eis-Oma kreiert. Heute ist der Name geschützt. Das Eis wurde aus einer der sechs Garagen des Anwesens heraus verkauft. Die Schwester half bei der Produktion, Claus-Jürgen Kuhn und seine drei Brüder waren mit Kombis unterwegs, um das Eis zu verkaufen. Alle halfen mit. Die Mutter bis 1982, die Oma sogar bis 1984. Mit einem seiner Brüder hat Claus-Jürgen Kuhn 1989 das Geschäft übernommen und ausgebaut. Humorvoll erzählte er den langen Genehmigungsweg und die Stolpersteine, die ihm ein wenig zugeneigter Nachbar dabei in den Weg legte, als er in seinem Neubau eine Eisdiele integrierte. Inzwischen hat bereits die nächste Generation das Unternehmen übernommen.
Claus-Jürgen Kuhn ging bei unserem Besuch auf die heutigen Produktionsschritte, die Zutaten -jede Sorte mit reiner Vollmilch- und die behördliche Überwachung der Hygiene ein. Er zeigte uns die relativ wenigen Maschinen in der kleinen „Eis-Küche“, in der an einem guten Sonntag 700 bis 800 Liter Speiseeis hergestellt werden. Dann schmiss er die Eismaschine an und produzierte Schokolade-Eis, das alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich am Ende genüsslich schmecken ließen.