80 Jahre nach Kriegsende
In Rastatt steht einer der letzten Westwallbunker im Originalzustand
Rastatt ist eine reiche Stadt an Erinnerungskultur. Hier befinden sich die Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte im Schloss, die Kasematten der Festung Rastatt und der wohl letzte Westwallbunker am Oberrhein im Originalzustand. Dieser war Ziel unserer Exkursion im Oktober 2025. Acht Jahrzehnte nach Ende des verheerenden Zweiten Weltkrieges werden die Zeitzeugen weniger, ebenso die sichtbaren Relikte. Deshalb hatten wir uns für die Besichtigung des Westwallbunkers entschieden. Der Historische Verein Rastatt unterhält das Mahnmal und bietet Führungen an. Philipp Erben hat uns an dem nasskalten Oktoberabend durch die engen und beklemmenden Räume geführt und uns eindrucksvoll vor Augen geführt, welche Schrecken mit dem Zweiten Weltkrieg verbunden sind. 15 Soldaten mussten sich den nur wenige Quadratmeter großen Aufenthaltsraum teilen. Über zwei gerade einmal 1,10 m hohe schwere Stahltüren und die anschließenden Gasschleusen gelangte man in diesen Raum. Die Wände und die Decke weisen eine Dicke von 1,50 m auf und sind aus Stahlbeton. Die Einrichtungsgegenstände sind größtenteils noch im Original vorhanden, so wie die handbetriebende Lüftungsanlage, das Telefon oder die Betten und Stühle. Das Nazi-Regime hat den Westwall bereits ab 1936 gebaut und gleich sehr aufwendig der internationalen Presse vorgestellt. Herr Erben erläuterte, dass der Westwall mehr eine Abschreckungs- denn eine Verteidigungsfunktion hatte. Der damalige „Erzfeind“ Frankreich hatte in den 1920er und 1930er Jahren mehrere Beistandsvereinbarungen mit Staaten des Ostens geschlossen, mit Polen, der Tschechoslowakei und auch mit Russland. Mit dem Westwall wollte Hitler Frankreich einschüchtern, bevor er den Krieg mit Polen begann. Insgesamt gab es 22.000 militärische Einrichtungen im Westwall, der von der Nordsee bis an den Hochrhein reichte. Allein im Kreis Rastatt sind 650 verzeichnet. Von dem Bunker in Rastatt wurden insgesamt 3.000 Exemplare gebaut, alle nach dem gleichen Bauplan, ohne Rücksicht auf den jeweiligen Standort. Schnell und effizient musste es gehen. Unsere Gruppe aus 16 Personen war sehr berührt von den Schilderungen und den Eindrücken des authentischen Ortes. Dennoch musste man schmunzeln, als Philipp Erben von der Nachnutzung nach Kriegsende erzählte. Die französischen Besatzer richteten zunächst eine Arrestzelle und später eine Weinbar im Mannschaftsraum ein. An der Decke konnte man noch erkennen, wo die Thekeneinrichtung festgemacht wurde. Dass es hier immer optimal temperiert war, spürten wir in den Füßen nach dem langen Stehen auf engstem Raum.