Großer Andrang beim Themenabend „Fußball in Grünwinkel“
Am 9. November 2024 berichteten die BNN über den Arbeitersport in den 1920er und 1930er Jahren. Das großformatige Foto des Artikels zeigte eine Spielszene mit dem Torwart Theodor Mayer aus Grünwinkel. Das war der Anlass, dass sich der Grünwinkler Geschichtskreis mit dem Thema Fußball im Stadtteil beschäftigte. Beim turnusmäßigen Treffen am Montag, 24. Februar 2025, referierte Gernot Horn über die Fußballhochburg Karlsruhe zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Walther Bensemann, ein Pionier des Fußballsports in Deutschland, lebte seinerzeit in der Fächerstadt, der Karlsruher FC Phönix wurde 1909 Deutscher Fußballmeister, im Jahr darauf wurde dies der KFV. Von der Euphorie ließen sich auch junge Männer in Grünwinkel anstecken, 1910 wurde der FV Grünwinkel gegründet, der im Laufe der Jahre beachtliche sportliche Erfolge erzielte. Und er brachte einen Nationalspieler aus seinen Reihen hervor, Theodor Mayer. 14 Mal spielte er für die Bundesauswahl des Arbeiter- Turn- und Sportbundes und stand bei der Olympiade dieses Verbandes 1931 in Wien vor 40.000 Zuschauern im Endspiel gegen Österreich, das 2:3 verloren ging. Ein Fotoalbum, das bei den Nachfahren von Theodor Mayer, der Familie Raible in Mörsch, als Schatz bewahrt wird, gab mit sensationellen Aufnahmen Einblick in die Karriere dieses Ausnahmekönners zwischen den Pfosten. Gernot Horn ging mit großer Fachkenntnis auf die Geschichte des Arbeitersports in Deutschland ein, der von 1924 bis zur Auflösung 1933 durch die Nazis eine Gegenbewegung zum bürgerlichen Fußball darstellte und heute vom Deutschen Fußballbund als eine seiner Wurzeln betrachtet wird.
Karlheinz Schmidt schilderte die wechselvolle Geschichte der Sportplätze des FV Grünwinkel und seiner Clubhäuser. Angefangen hatte alles auf dem Exerzierplatz südlich des Stadtteils, wo sich heute die Messe Karlsruhe und der Segelflugplatz befinden. Dann wurden 1911 die Sinnerwiesen südlich des Eiskellers in der Durmersheimer Straße in mühevoller Arbeit hergerichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg standen diese nicht mehr zur Verfügung, weil die Zeppelinstraße mitten hindurch gebaut wurde. Erst 1925 gelang es mit Hilfe der Stadt und der Firma Sinner, wieder einen eigenen Sportplatz anzulegen, auf dem Abraumplatz der Sinner AG nördlich des Eiskellers. Seit 1997 residiert der FV Grünwinkel im Sportzentrum am Joachim-Kurzaj-Weg. Mit viel Eigenarbeit wurden die Clubhäuser an der Durmersheimer Straße damals errichtet. Das erste wurde von den einrückenden Besatzern abgefackelt, weil es der NSDAP als Versammlungsraum diente, dann wurde behelfsmäßig eine Holzbaracke aufgestellt und 1955 ein weitaus größeres und komfortableres aus Stein gebaut. In diesen Clubhäusern wurde insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg ausgiebig und kreativ gefeiert, wie Fotos aus den 1950er Jahren zeigen.
Den Fotos aus der Vergangenheit gehörte dann der dritte Teil des Abends. Auszüge aus Alben und Ordnern wurden herumgereicht und von den zahlreichen Anwesenden mit Anekdoten kommentiert und bewundernd betrachtet. 30 Personen füllten das Nebenzimmer des Braustübls Hatz-Moninger und bildeten einen noch nie dagewesenen großen Rahmen für das Treffen des Grünwinkler Geschichtskreises.