Besuch Hiddenstory im Stadtmuseum am 27. Mai 2026

„Hidden Stories. Gemälde erzählen Stadtgeschichte(n)“

Eine Ausstellung im Stadtmuseum mit Grünwinkler Berührungspunkten

Ende Mai 2026 besichtigten wir mit dem Geschichtskreis die Ausstellung „Hidden Stories. Gemälde erzählen Stadtgeschichte(n)“ im Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais. Frau Dr. Christine Sutter, die stellvertretende Leiterin der Historischen Museen in Karlsruhe, hatte sich Zeit genommen, um uns durch die aktuelle Sonderausstellung zu führen. „Hidden Stories“ heißt übersetzt „Verborgene Geschichten“. Und davon gibt es in der Ausstellung einige. Dr. Christine Sutter wies auf Details hin, die beim ersten Blick gerne übersehen werden, auf spannende Hintergründe zu Entstehung der Gemälde, auf Anekdoten zu den dargestellten Personen und vieles mehr. So zum Beispiel auf das Porträt einer vornehmen Dame. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Erst die Erzählung der Erben bei der Übergabe der Schenkung an das Stadtmuseum verleiht dem Gemälde eine verborgene Geschichte. Der Ehemann und Auftraggeber war mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Seine Frau war ihm nicht elegant genug abgebildet, weshalb er den Künstler beauftragte, die Partie der auf dem Schoß ruhenden Hände neu zu malen und einen Pelz unter die Hände zu legen.
Ein Rätsel verbirgt sich auch hinter der Gemeinsamkeit zweier völlig verschiedener Gemälde. Das eine, von einem eher unbekannten Künstler, zeigt eine Straßenszene in Durlach, das andere eine Gruppe von Fasanen auf einer Lichtung, gemalt von einem sehr renommierten Künstler aus der bekannten Grötzinger Malerkolonie. Die Betrachter können auf die Frage nach der Gemeinsamkeit aus vier Antworten auswählen, alle durchaus kurios. Die richtige Lösung ist, dass bei der Auflösung eines Cafés in Durlach die ehemaligen Betreiber die Kunstwerke der Stadt vermachten. Darunter waren diese Gemälde, die früher wie viele von Künstlern als Zahlungsmittel hinterlassen wurden.
Die Gemälde erzählen überraschende, oft unerwartete Geschichten über Karlsruherinnen und Karlsruher oder über die Fächerstadt und ihre Entwicklung. Erstaunliche Vorbesitzer, tragische Schicksale und persönliche Glücksmomente werden dabei ebenso ans Licht gebracht wie von Veränderungen geprägte Schauplätze.
Letzteres erläuterte Frau Dr. Sutter am Gemälde von Alfred Kusche „Altes Mühlburger Tor im Schnee“. Mehrmals in seiner Geschichte wurde dieses Tor aufgrund der wachsenden Stadt versetzt. Alfred Kusche! Da war doch etwas. Richtig, Alfred Kusche arbeitet lange Zeit als Zeichner für die Sinner AG in Grünwinkel. Der Ratsherr, der biertrinkend die andere Hand beschwichtigend über den ihn mit großen Augen anschauenden kleinen Jungen hält, jenes bekannte Erkennungszeichen für Sinner-Biere stammt aus seiner Feder. Ebenso die zahlreichen Illustrationen in den Mitteilungsblättern an die „zur Fahne einberufenen Beamten und Arbeiter“, die die Brauerei Sinner im Ersten Weltkrieg an die Soldaten verschickte.
Apropos Sinner. Das Stadtmuseum ist im Besitz mehrerer Porträts der Familie Sinner. Sie sind in der Ausstellung zu sehen und in der Textbegleitung wird räsoniert, welcher Direktor welchem anderen gefolgt ist. Gut merken kam man das nach der alphabetischen Reihenfolge ihrer Vornamen: Anton – Georg – Robert – Rudolf.