Interaktive Lesung mit dem Autor David Depenau
„Die Necknamen in Stadt und Landkreis Karlsruhe“
„Möge diese Sammlung der Volkskunde, insbesondere in Baden, neue Freunde erwerben! Dass manches Derbe mit unterläuft, wird man in Kauf nehmen müssen. …Das Volk nimmt kein Blatt vor den Mund. …Den Freunden des Humors sprudelt hier eine reiche Quelle.“ Mit diesem Zitat von Prof. Dr. Bernhard Kahle aus dem Einstieg seines Buches begann David Depenau seine Lesung. Damit war der Verlauf des Abends vorgezeichnet. David Depenau hatte nicht zu viel versprochen, die annähernd 30 Zuhörerinnen und Zuhörer verließen am Ende mit einem Lächeln im Gesicht das Nebenzimmer des Braustübls.
Man hörte es gleich beim ersten Satz: dieser Mann stammt von hier, er spricht unsere Sprache. Dabei lebt David Depenau, der Autor des Buches „Die Necknamen in Stadt und Landkreis Karlsruhe“, seit 16 Jahren hoch oben im Norden an der Ostsee. Doch der gebürtige Karlsruher, der in Langensteinbach Aufgewachsene und Badener mit Leib und Seele, ist hier noch immer fest verwurzelt und hat sich seit Jahren der Regionalkultur verschrieben. Mehrere Bücher hat er dazu geschrieben.
Necknamen seien eine süddeutsche Spezialität meinte er. Im Elsass gebe es sie noch sowie in Österreich und in der Schweiz. Aber bereits in Hessen findet man sie kaum noch. Auch seien Necknamen früher viel bekannter gewesen. Im Laufe der Zeit hat sich das Wissen darum verwässert. Dem wollte er mit seinem Buch aus dem Jahr 2001 entgegenwirken, die Necknamen vor dem Vergessen bewahren.
David Depenau wählte ein probates Mittel, seine Zuhörerinnen und Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Er las Geschichten und Anekdoten vor, ohne den Namen des Ortes oder des Stadtteils zu erwähnen, den mussten die Anwesenden erraten. Ewald Friedmann tippte am meisten richtig, er gewann ein Exemplar des Buches. Dass zahlreiche Orte nicht erraten wurden, verdeutlicht, dass viele Necknamen nicht mehr so verbreitet sind.
Doch es gab auch Ausnahmen. Die Holzbiere zum Beispiel. Viele wussten sofort, dass die Knielinger gemeint waren. Und dass aus „Holzbirnen“, Most gepresst wurde. Der Autor ergänzte: „Vielleicht wurde der Name der Frucht den Knielingern auch deswegen als Necknamen verliehen, weil ihnen gerne oft selbst die Eigenschaft dieser Birne nachgesagt wird: ‚Außen mit harter Schale, innen mit weichem Kern‘. Und weiter: ‚Hart, sauer und schlecht zu genießen‘, da mit den Knielingern schon in früheren Zeiten nicht immer gut Kirschen essen gewesen sein soll, was auch heute manchmal noch so ist.“
Wer auf den Geschmack gekommen ist, das Buch ist im Verlag Regionalkultur erhältlich.